Wenn einer eine Reise tut… Teil 2

Nachdem wir 2nd-Reality verlassen und uns direkt um die Ecke bei asiatischem Essen und einem Bierchen gestärkt hatten, ging es auf Franks Anraten hin Richtung Innenstadt. Ein Besuch des legendären Game Castle stand auf dem Programm.
Ach ja… Game Castle, welch großer Name. Bekannt aus den Videospielmagazinen der 90er als Versandhändler, Importeur und Spezialitätenhändler, wenn es um unser aller liebstes Hobby geht. Was habe ich damals diese und andere Anzeigen sehnsüchtig verschlungen und mich gefragt, warum es bei uns nur Standartelektronikhändler mit Standartspielen gab.
Entsprechend groß waren unsere Erwartungen.
Dirigiert vom Navi machten wir uns also auf den Weg und waren etwas erstaunt, als wir vor einem Tabak- und Souvenierladen angelangten. Nur die etwas veraltete Wii-Werbung ließ erkennen, dass es sich wohl um einen Videospielladen handeln müsse, und natürlich der charakteristische Name. Fast wollten wir nicht reingehen, standen doch auch 2 Verkäufer recht erwartungsvoll schauend direkt im Eingangsbereich, Tabak und Rubbellose verkaufend und nebenbei ein Eis aus der hauseigenen Eistheke mümmelnd.
Wir nahmen allen Mut zusammen und traten grüßend ein.
Zu versuchen, den Blicken der Verkäufer zu entrinnen, war in dem kleinen Laden fast unmöglich, trotzdem verzogen wir uns erstmal in eine Ecke, um uns einen Eindruck zu verschaffen.
Und der war erstmal sehr überraschend, denn hinter der Tabakladenfassade warteten tatsächlich prall gefüllte Regale voller Spiele darauf, erkundet zu werden.
Der zweite Blick war dann allerdings wieder voller Ernüchterung. Zwar gab es jede Menge Spiele, diese schienen aber schon länger nicht mehr beachtet worden zu sein, alles war recht wahl- und lieblos in die Regale gestellt, daneben war eine Vitrine mit undefinierbaren Dingen gefüllt. Unser Blick striff über unzählige 360 Spiele jenseits der 20€ Bepreisung, was bei der Relevanz, die 360 Spiele auf dem Markt haben, doch sehr ungewöhnlich ist.
Daneben fiel unser Blick auf ein Regal voller N64, SNES und Game Boy Spiele in OVP, auch diese recht wahl- und lieblos ins Regal gestopft, viele Hüllen zerdrückt, voller Aufkleber, oder ausgeblichen. Auf manchen waren Preise drauf, auf vielen nicht. Manche waren in DM ausgepreist, andere in Euro. Alle schienen viel zu hoch für das Dargebotene.
Vorbei am Verkaufstresen ging es dann zur anderen Seite. Auch hier Regale voller Spiele der PS3 und Wii Ära. Auch hier Preise jenseits von Gut und Böse. Und uns fiel zum ersten Mal auf, dass viele Spiele nur ausgedruckte Cover in vergilbten Hüllen waren. Das war uns auf der 360 Seite entgangen, da dachten wir noch, der verblichene Effekt war der Dauersonneneinstrahlung über die Jahre zuzuschreiben, was die Preise natürlich noch unwirklicher erscheinen ließ.
Recherche und Benutzen des eigenen Gehirns führten dann zu der Erkenntnis, dass es sich wohl um Ausstellungsexemplare der Neuware handelte. Aha…das machte es ja schon fast wieder interessant, denn wo findet man sonst eine so große Auswahl an Neuware vergangener Dekaden? Leider machten allerdings weder Präsentation, noch Preise wirklich Lust, diese Neuwaren auch zu erwerben. Davon mal abgesehen, dass es gerade im PS3 und 360 Bereich vieles auch noch neu günstig zu erwerben gibt, zählt gerade im Neuwarebereich einfach auch das Neuwaregefühl für mich. Da will ich nicht schlecht ausgedruckte Cover in vergilbten Hüllen mit 49,99€ drauf angucken, sondern ein strahlendes Neuexemplar im Regal vorfinden. Zumal es auch keine Seltenheiten gab, die man nicht woanders finden würde, sondern eher Standartkost a’la GTA und Call of Duty.
Offensichtlich hat sich seit ein paar Jahren im Neuwarebereich im Game Castle auch nicht viel getan. Es gab zwar eine Auswahl an PS4 und auch 3DS Spielen, jedoch keine wirklichen Neuerscheinungen der letzten Wochen oder Monate und das angebotene war auch deutlich teurer, als bei der Elektronikkette um die Ecke (auf die ich morgen zu schreiben komme), was mir normalerweise im kleinen Einzelhandel wenig ausmacht, wenn Präsentation und das ganze Drumherum stimmen.
Ein kleiner Dreher unsererseits und schon waren wir mitten in der Retroecke. Eine ziemlich große Vitrine bot eine wirklich gute Auswahl an SNES, N64 und Game Boy Modulen feil. Jedoch war auch hier wenig Liebe zu erkennen, viele Module waren schmutzig oder abgegriffen, aus Platzmangel in Ecken gestapelt, es war weder eine Sortierung, noch Preise zu erkennen. Einige wenige N64 Titel waren ausgepreist, wobei man bemüht war, den Preis auch ja akurat mitten auf dem Label zu platzieren, jedoch begannen diese Preise bei 10€, und das auf den Sportspielen, da hat man wenig Lust, die Preise für die interessanteren Titel zu erfragen.
Apropos Preise: Wie in Erfahrung zu bringen war, hat das Personal wohl in den letzten Jahren häufiger gewechselt und das momantane sah, man möge es mir verzeihen, nicht besonders videospielkundig aus. Die Frage ist also, ob und wie Auskunft über die Preise erfolgen würde. Gibt es mittlerweile Standartpreise, muss ich ein Angebot machen, was ich ausgeben will, oder wird das allseits beliebte Internet zu Rate gezogen, um bei jedem Spiel, an dem Interesse bekundet wird, den „tagesaktuellen“ Kurs zu recherchieren?
Leider muss ich euch eine Antwort darauf schuldig bleiben, da wir schlicht keine Lust hatten, es herauszufinden. Wenn jemand Erfahrung damit hat, darf er gerne kommentieren. Auch, wenn ich komplett falsch liege und dort kompetente Leute am Werk sind. Ich schildere hier wirklich nur meinen subjektiven Eindruck, ohne investigative Ambitionen gehabt zu haben.
Wir verabschiedeten uns etwas ernüchtert und auch traurig, dass so ein großer Name nur noch ein kleines Licht ist und schwören, unseren Laden und unseren Namen niemals in anderen Hände zu geben. Wenn wir gehen, gehen wir ganz!
Tja, was bleibt zu sagen? Mit ein bisschen Willen kann man im Game Castle bestimmt das ein oder andere Schnäppchen finden, zumal ich nicht glaube, dass an den Preisen rigoros festgehalten wird, wenn man denn mal nachfragt. Ob man denn dazu Lust hat, wenn es doch um die Ecke schöner präsentiert das Gleiche sowieso schon günstiger gibt, ist fraglich. Für Sealed-Sammler sicher einen Blick wert, denn es scheint noch viel aus dem letzten Jahrzehnt auf Lager zu sein und auch der ein oder andere Nur-Modul-Spieler wird sicher was finden, sofern er nicht auf den Schnapper des Jahres aus ist, sondern nur zocken möchte. Wie gesagt: Schöne Auswahl, mangelnde Präsentation, traut euch trotzdem mal rein, wenn ihr in der Gegend seid.

Das war Teil 2 unseres Reiseberichts. Morgen geht es dann um die großen 2 im Gamesbusiness, die uns in mehr als einer Hinsicht überrascht haben. Seid gespannt.

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