Vorsicht, … Jasmin!

Das schlimmste daran, einen eigenen Laden zu besitzen ist, dass man einen eigenen Laden besitzt.
Alles gehört einem, alles ging durch die eigenen Hände, in allem steckt Zeit, Muße, Schweiß, Leidenschaft und Herzblut.
Das kann zu Komplikationen führen, wenn Kunden, verwöhnt von großen Kaufhausketten und verweichlicht von anonymen Verkäufern arglos auf MICH treffen.
Man sollte meinen, im Laufe der Jahre hätte ich mir ein dickes Fell zugelegt und könnte über die immer gleichen Fragen, Begebenheiten, Unwissenheiten, Missverständnisse und Frechheiten müde lächeln, aber leider geht es mir da wie dem Markus Lanz: Es wird einfach immer schlimmer. Statt Abgeklärtheit gibt es Angespanntheit, statt Verständnis Unverständnis und statt Erklärung Augenrollen.
Das tut mir im Nachhinein oft leid, aber eher, weil ich dem Kunden nicht verständlich machen konnte, inwiefern er sich falsch verhalten hat, um meine Gegenreaktion auszulösen.
Kunden wähnen sich ja oft auf Gottstatus. Sagt man ja auch: Der Kunde ist König. Dem ist nunmal aber nicht so, der Kunde ist Gast, als solcher hat er Rechte, aber eben auch Pflichten. Und das fängt dabei an, das die Waren, die er betrachtet nunmal noch nicht in seinem Besitz sind, sondern jemand anderem gehören. Und so sollten sie auch behandelt werden. Es ist nicht nötig, das Regal neu zu sortieren, auch wenn es für den nächsten natürlich spannend ist, wenn die Spieletitel nicht mehr lesbar sind , sondern erst nach Herausnehmen und Drehen der Packung zum Vorschein kommen oder das Call of Duty sich zwischen den FIFAs versteckt, wo es nur durch Zufall von einem echten Kenner entdeckt werden kann. Wäre ja sonst langweilig. Und wenn mal was runterfällt reicht ein einfaches Sorry, es ist nicht nötig, das Spiel wild kichernd mit dem Fuß über den Boden zu Kicken.
Viele scheinen auch zu denken, wir würden die Preise auf den Spielen frei erfinden und diese könnten demnach nach Belieben angepasst werden. Nein, die Preise durchlaufen einen langwierigen Prozess aus Marktwert, kostendeckendem Arbeiten, gewünschtem Käuferkreis und allgemeinem Zustand. Sie sind eine Summe aus mehreren Faktoren und es ist nicht nötig, mich auf einen etwaigen Mangel am Produkt hinzuweisen und damit den Preis drücken zu wollen, den habe ich nämlich ob des Mangels schon selber gedrückt. Auch der Hinweis, es sei doch für die Kinder (und die würden es eh kaputt machen) ist kein durchschlagendes Argument…
Rigoroses Handeln auf die unfreundliche Art nehme ich übrigens persönlich, stellt sie doch eine Herabsetzung meiner Arbeit dar. Offensichtlich sind dem Käufer weder die Ware, noch meine Zeit und Arbeit, die ich darin investiert habe, ihren Preis wert.
Hach, generell habe ich ein Problem mit dem Verkaufen. Ich hänge an all meinen Spielen, schließlich gingen sie alle durch meine Hände und möchte für jedes ein schönes neues Zuhause und liebevolle Zocker finden (ich übertreibe ein bisschen). Habe ich das Gefühl, der potentielle Käufer ist unzufrieden, sei es mit dem Preis, dem Zustand, oder übergeordneter Faktoren, wie der Auswahl im Laden, seinem miesen Kaffe heute morgen oder seiner nörgelnden Frau, die schon seit 10 Minuten abschätzig im Laden steht und immer wieder betont, das er das Spiel nicht brauche, möchte ich gerne von einem Verkauf absehen. Leider scheint mein Gegenüber das immer zu spüren, denn je mehr ich mich innerlich sperre, desto mehr will er das Spiel haben. Die Ernüchterung kommt dann sicher später, wenn der Rausch des Konsums vorüber ist und schon hat man wieder einen unzufriedenen Kunden.
B. überlegt ja in regelmäßigen Abständen, mich an den örtlichen GameStop auszuleihen, damit ich mal die wirkliche Welt kennenlerne und ein bisschen abgehärtet werde, ohne einen persönlichen Bezug zum Geschäft aufzubauen, aber wahrscheinlich würde ich als erstes alle Spiele neu sortieren und dann jeden Gucker anschnauzen, er solle keine Unordnung machen, ich fände ja sonst nix wieder. Von meinen Mitarbeitern ganz zu schweigen, die wahrscheinlich ebenfalls alles hinstopfen würden, wo Platz ist. Ne, ich könnte nicht aus meiner Haut 😀
Wenn ihr jetzt denkt: Was, so kennen wir Jasmin ja gar nicht. Glückwunsch. Ihr dürft euch auf die Schulter klopfen, ihr vorbildlichen Kunden/Menschen ihr.

4 Gedanken zu „Vorsicht, … Jasmin!“

  1. Ich sage mir immer, wenn der Kunde König sein will, dann soll er sich auch nicht wie ein Bauer verhalten.
    Was ich allerdings nicht verstehe, wieso du auf Preisverhandlungen so negativ reagierst.
    Über die Flohmarkthändler habt ihr euch letztens noch ausgelassen, aber wenn die Kunden nun bei euch das selbe versuchen, beschwerst du dich.

    1. Huhu. Danke für deinen Kommentar.
      Preisverhandlungen sind nicht das Problem, sondern immer, wie diese gestaltet sind. Grundsätzlich kommt es natürlich immer auf die Art der Verhandlung an, aber man kann uns, glaube ich, vertrauen, das wir wissen, was wir tun und uns um die Preisgestaltung Gedanken gemacht haben. Nach Rabatt fragen ist immer drin, sollte aber nicht sein, wenn das Spiel schon an der untersten Grenze der Preisskala angesiedelt ist 🙂
      Außerdem handeln wir auf dem Flohmarkt nicht, entweder der Preis passt, oder nicht. Bei extremen Außreißern nach oben, würde Verhandeln auch nichts bringen.

  2. Ich finde Dein Grollen meist ziemlich putzig, zumindest, wenn es mich nicht selbst trifft. Aber an den Gamestop verleihen? Wahrscheinlich hättest Du innerhalb einer Woche die gesamte Kette übernommen. 😀

    Aber was anderes noch und sei Dir versichert, dass ich mein Haupt in Demut senke: Es wäre schön, wenn Ihr auf die Preisschilder draufschreiben würdet, wenn keine Anleitung dabei ist. Es ist irgendwie blöd, das erst an der Kasse zu merken, wenn die CD / DVD in die Verpackung wandern. Meist hat man da jedoch schon bezahlt bzw. das Geld auf den Tresen geparkt. Besonders bei Spielen die als Geschenk gedacht sind, ist das sonst ziemlich schade und wenn man aufgrund der fehlenden Anleitung dann doch vom Kauf zurücktreten möchte (weil dann z. B. als Geschenk sinnlos) hat ja keiner etwas gewonnen.

    Bitte nicht hauen, ich robbe mich schon durch den Dreck meiner unwürdigen Existenz auf den Platz zurück, der mir gebührt.

    1. Normalerweise wird beim Kauf (vor dem Bezahlvorgang) auf eventuelle Mängel (Kratzer, fehlende Teile…) hingewiesen, um Enttäuschungen zu vermeiden. Ansonsten ist es auch nicht schlimm, während des Bezahlvorgangs noch vom Kauf zurückzutreten, da ist keiner böse 😉
      Lustig war da eher der Typ, der sich vor dem Kauf eine Disk ansehen wollte. Kein Problem, wir wissen um den Zustand unserer Spiele. Nun kam beim Vorgang des Rüberreichens ein Fingerabdruck auf die Disk, zusätzlich waren auch noch 2 weiße Partikel, wahrscheinlich aus unseren Papierhüllen, drauf, woraufhin er sich gegen den Kauf des Spiels entschied, weil er keine Lust hätte, es zuhause zu putzen. Dabei lachte er komisch. Hm.

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