Mini-Nerd

Man kann ja nicht immer nur über die Kundschaft meckern. Manchmal ereignen sich tatsächlich auch skurrile Begebenheiten und Begegnungen im positiven Sinne.
So habe ich doch tatsächlich einen (noch) sehr jungen Stammkunden, der schon mächtiges Nerd-Potential besitzt. An seinen Eltern kann es nicht liegen, können die doch mit der Materie wenig anfangen, wie ich ihren Reaktionen schon mehrmals ablesen konnte.
Er ist geschätzte 11 Jahre alt und schon länger Kunde, kommt manchmal mit seiner Mutter, öfter aber mit seinem Vater und hat sehr genaue Vorstellungen, was er erwerben möchte. Immer betritt er den Laden mit einer sehr ernsten und gewichtigen Miene und trägt mir sein aktuelles Anliegen vor. Gestern etwa fragte er, ob wir „Sonic CD“ für den PC da hätten, aber bitte die us-Version. Auf meine Frage, warum es denn gerade die sein sollte, antwortete er, die Musik wäre wohl besser und das trug er mit einer derartigen Überzeugung vor, dass ich mir ganz unwissend vorkam. Nachdem ich auch seinen Wunsch nach einem „Paper Mario“ für’s N64 nicht erfüllen konnte und sein Vater, ob des Glaubens, man müsse sich hier schnell entscheiden, drängte, entschied er sich schließlich für ein klassisches „Sonic“ für’s Mega Drive und gab uns sogar noch Trinkgeld.
Die Konsole dazu hat er vor einiger Zeit im Beisein seiner Mutter erworben, mit der ich bei der Gelegenheit ein Gespräch über seine Leidenschaft führen konnte. Erklären können es sich seine Eltern auch nicht, aber er hegt wohl eine ausgeprägte Affinität für klassische Konsolen, besitzt eine stattliche Anzahl und weiß auch ganz genau, was er noch möchte.
Am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist mir, wie sein Vater letztes Jahr in den Laden kam und einen Röhrenfernseher für seinen Sohn erwerben musste, weil der darauf bestand, und natürlich auch Recht hat, dass man zum Zocken von RETRO-Konsolen auch den entsprechenden Fernseher benötige und sich weigerte, ein Flat-Modell zu akzeptieren, nachdem sein alter TV den Geist aufgegeben hat.
Wenn sich die Jugend so entwickelt, ist die Zukunft meines Ladens gesichert und natürlich freue ich mich über informierte und zielstrebige Kundschaft, aber etwas irritiert bin ich trotzdem immer, zumal der Kleine selber noch etwas schüchtern ist, hoffentlich tut sich da noch was, in ein paar Jahren könnte er ein interessanter Gesprächspartner werden.

2 Gedanken zu „Mini-Nerd“

  1. Ich hatte bis vor ein paar Jahren auch einen Video Game Laden. Und auch sehr ausgefallene Kunden. Ich kam mir da manchmal vor wie in einer schlechten Comedy. Ich hatte da einen der kam regelmässig, ein etwas doofer zeitgenosse cirka 15 Jahre alt. Er hatte nie Geld und war auch sonst kaum zu ertragen. Irgendwann meinte ich zu ihm: wenn du Geld brauchst geh arbeiten oder betteln! Und was macht er? Stellt sich vor meinen Laden und schnorrt alte Leute an. Das ging natürlich garnicht. Ich hätte da bestimmt noch Hundert Geschichten auf Lager.^^

  2. Du kommst nicht zufällig aus der Gegend? Wir suchen noch Gastleser für unsere Veranstaltung „RETRO Games liest…“ demnächst, bei der es vorrangig um lustige Begebenheiten mit Kunden von Seiten der Geschäftsleute geht. Wobei auch gerne Kunden ihre Erfahrungen mit uns vortragen dürfen, schließlich bauen wir auch jede Menge Mist 🙂

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